Ich arbeite seit sechzehn Jahren bei der Wasserschutzpolizei in Münster, und ich habe schon einiges gesehen auf dem Aasee und an der Werse. Aber was im September passierte, muss ich erzählen, weil es sonst keiner glaubt.
Es war ein Dienstagmorgen, kurz nach sieben, noch Nebel über dem Wasser. Ein Angler hatte am Vortag etwas gemeldet, Kleidung, die am Schilf trieb, und seitdem suchten wir nach einem Mann, der seit zwei Tagen als vermisst galt. Das Wasser war trüb, fast braun, Sichtweite keine zwei Hände breit. Die Taucher waren schon zweimal unten gewesen, ohne Ergebnis. Man merkt dann, wie die Stimmung umschlägt – nicht laut, aber jeder redet ein bisschen leiser.
Am Ufer stand die Tochter des Vermissten, eine Frau Anfang vierzig, in einer dünnen Jacke, die für den Morgen viel zu leicht war. Sie hatte ihre Hände um einen Thermosbecher gelegt, den sie nicht trank, nur hielt, immer wieder umfasste und wieder losließ. Ihr Vater ging seit Sonntagabend nicht mehr ans Telefon. Sie fragte mich zum dritten Mal, ob die Taucher schon etwas gesehen hätten, und ich musste ihr zum dritten Mal sagen: noch nicht.
Dann kam der Transporter von der privaten Rettungsstaffel aus Osnabrück, und ich dachte zuerst, die bringen noch mehr Technik. Stattdessen stieg eine Frau aus mit einer Transportbox, und aus der Box kam Nixe. Ein Jagdhund-Mischling mit kurzem, dichtem Fell, kaum größer als ein Labrador, mit einem orangen Signalgeschirr. Die Trainerin, eine ruhige Frau namens Birgit Lossen, bemerkte meinen skeptischen Blick zu den Tauchern, die gerade ihre Flaschen nachfüllten. Sie sagte nur: "Geben Sie ihr zehn Minuten."
Nixe sprang ins Wasser, als wäre es ihr Wohnzimmer. Sie schwamm in engen Bahnen, die Nase knapp über der Oberfläche, und zog dabei immer wieder kurze Haken, als würde sie einer Linie folgen, die nur sie sehen konnte. Birgit erklärte mir, während wir am Ufer standen, dass solche Hunde darauf trainiert werden, feinste Spuren von Verwesungsgasen aufzunehmen, die aus der Tiefe an die Oberfläche aufsteigen – selbst wenn die Quelle mehrere Meter unter Wasser liegt und für uns nicht mehr ist als trübe Strömung. Sie sagte das vorsichtig, fast entschuldigend, so wie jemand, der weiß, dass es unglaublich klingt, es aber hundertmal gesehen hat.
Nach ungefähr acht Minuten – ich habe auf die Uhr geschaut, weil ich es für den Bericht brauchte – blieb Nixe an einer Stelle stehen, die vielleicht fünfzehn Meter vom Ufer entfernt lag, direkt bei einer alten Buhne aus Stahlpfählen. Sie kreiste dort, kam zurück zum selben Punkt, kreiste wieder. Birgit nannte das knapp "Markierung". Keine Theatralik, kein Bellen, nur dieses beharrliche Hin und Her an exakt einem Punkt, bis sie sich schließlich hinsetzte und auf das Wasser starrte.
Die Taucher gingen genau dort rein. Hinter mir hörte ich, wie der Thermosbecher der Tochter auf den Steinboden fiel und dort liegen blieb, Deckel ab, Kaffee lief in einer schmalen Spur zwischen die Pflastersteine. Sie hatte beide Hände vor den Mund geschlagen.
Fünfzehn Minuten später hatten wir Gewissheit. Der Mann wurde gefunden, in der Nähe der Stahlpfähle, wo die Strömung ihn offenbar festgehalten hatte. Es war kein Rettungseinsatz mehr, das war uns schon klar gewesen. Die Tochter setzte sich einfach auf die Kante der Hafenmauer, die Knie an den Körper gezogen, und sagte eine ganze Weile nichts. Ein Kollege legte ihr eine Rettungsdecke um die Schultern. Sie nahm sie, ohne hinzusehen.
Ich habe später mit Birgit noch Kaffee getrunken, aus so einem Pappbecher vom Bäcker am Hafenplatz, während Nixe sich neben dem Transporter ausschüttelte und dann in Decken gewickelt wartete. Birgit erzählte mir, dass Nixe das schon zum zwanzigsten Mal gemacht hat, seit sie mit zwei Jahren ausgebildet wurde. Vier Mal hat sie direkt zum Fundort geführt, so wie bei uns. Die anderen Male hat sie den Suchradius wenigstens so eng gemacht, dass die Taucher nicht mehr halb den See absuchen mussten.
Für Birgit war das alles kein Grund zur Aufregung, sondern Handwerk, so wie bei uns das Sonargerät oder das Peilboot. Sie holte aus einer Kühltasche im Transporter eine kleine Portion Fisch und stellte den Napf vor Nixe hin, die sofort zu fressen begann, als wäre nichts gewesen. Dann öffnete Birgit die Transportbox, breitete ein Handtuch darin aus und klopfte zweimal auf den Rand. Nixe sprang hinein, legte sich hin und schloss die Augen, noch mit nassem Fell, während wir den Deckel zuzogen.
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