Die Werkstatt in Lichtenrade, auf die ich dreizehn Jahre gewartet habe

Ich heiße Markus, bin vierundvierzig, und bis vor sieben Wochen hätte ich gesagt, ich hätte die ruhigste Ehe in ganz Tempelhof-Schöneberg. Meine Frau Sabine und ich sind seit sechzehn Jahren zusammen, elf davon verheiratet. Ich habe die kleine Autowerkstatt meines Vaters in der Lichtenrader Hauptstraße übernommen, drei Hebebühnen, ein Angestellter, genug, um die Raten für unser Reihenhaus in Marienfelde zu zahlen und einmal im Jahr nach Mallorca zu fliegen.

Sabine arbeitet in der Verwaltung einer Zahnarztpraxis am Alt-Mariendorfer Weg. Ihre beste Freundin heißt Petra, verheiratet mit einem gewissen Frank, der bei der BSR als Fahrer arbeitet. Die beiden Frauen kennen sich seit der Schulzeit, waren sich näher als manche Schwestern. Jeden ersten Freitag im Monat trafen sie sich zum "Mädelsabend" – erst Aperol in der Bar am Rathaus Tempelhof, dann ein Club in Mitte, manchmal kamen sie erst gegen drei Uhr morgens zurück. Das war normal bei uns. Ich habe nie etwas dabei gefunden. Man vertraut seiner Frau nach elf Jahren Ehe, oder man heiratet sie nicht.

An jenem Freitag im September war es anders. Sabine kam gegen vier Uhr morgens heim, ihr Make-up war verschmiert, der Rock saß schief, und als sie sich auszog, um ins Bett zu gehen, merkte ich: Sie trug keinen BH und kein Höschen mehr. Beides war weg. Sie sagte, sie habe es "irgendwo verloren" beim Tanzen, lachte darüber, roch nach einem Parfum, das nicht ihres war, und schlief fünf Minuten später ein, als wäre nichts geschehen.

Ich lag wach und habe gerechnet, bis der Himmel vor dem Fenster grau wurde. Zwei Kleidungsstücke verliert man nicht beim Tanzen. Ich bin früh aufgestanden, in die Werkstatt gefahren, unter einen BMW gekrochen und habe den Drehmomentschlüssel angesetzt, dabei aber die ganze Zeit nur an eine Nummer gedacht: Franks Handynummer, die ich noch vom letzten Grillfest bei uns im Garten gespeichert hatte.

Ich habe ihn gegen Mittag angerufen, die Hände noch schwarz vom Öl, den Hörer zwischen Schulter und Ohr geklemmt. Fragte ganz direkt, ob er wisse, was in der Nacht passiert sei, seine Frau und meine seien doch zusammen unterwegs gewesen. Frank hat gelacht. Nicht verlegen, nicht entschuldigend – er hat richtig gelacht, als hätte ich ihm einen Witz erzählt.

"Das ist doch gar nichts", sagte er. "Meine ist mit einem Zettel in der Handtasche heimgekommen, drauf stand eine Adresse und eine Uhrzeit für Dienstag."

Ich habe aufgelegt, das Telefon zwischen einen Drehmomentschlüssel und eine halbleere Flasche Mineralwasser auf die Werkbank gelegt und eine ganze Minute lang die Rohrleitung an der Decke verfolgt, als könnte sie mir sagen, was ich jetzt tun sollte.

Frank hatte am Telefon weitergeredet, als wäre es die normalste Sache der Welt – fast stolz, als würde er mir von einem guten Geschäft berichten. Seine Petra sei schon seit Monaten so unterwegs, er wisse es, ignoriere es, solange das Haushaltsgeld stimme. Er hätte sich "arrangiert", wie er es nannte. Und jetzt hatte seine Frau unsere beiden Abende zu einer Art Komplettpaket gemacht, dessen Details ich mir lieber nicht ausmalen wollte.

Ich bin an diesem Tag nicht nach Hause gefahren. Ich habe in der Werkstatt auf dem alten Bürosofa übernachtet, zwischen Aktenordnern und dem Geruch nach Bremsflüssigkeit, und am nächsten Morgen bei meinem Steuerberater, Herrn Albrecht, der auch mein Notar-Kontakt ist, einen Termin gemacht.

Sabine rief fünfzehn Mal an, schrieb Nachrichten, die von "du bist paranoid" zu "wir müssen reden" wechselten. Ich habe erst am Sonntagabend geantwortet, mit einer einzigen Nachricht: "Komm Montag um neun zu Albrecht, Hauptstraße 112. Bring deinen Ausweis."

Sie kam, die Lippen zusammengekniffen, die Handtasche fest an den Bauch gedrückt wie einen Schutzschild. Ich hatte vorher mit Albrecht schon alles vorbesprochen: die Werkstatt lief allein auf meinen Namen, das hatte ich schon vor der Hochzeit so gemacht, auf Anraten meines Vaters, Gott hab ihn selig. Was ich jetzt regeln wollte, war das Gemeinschaftskonto und das Haus in Marienfelde, das wir zu gleichen Teilen abbezahlt hatten.

Im Besprechungszimmer, ein enger Raum mit einer Topfpflanze, die seit Jahren dieselben drei vertrockneten Blätter trägt, habe ich Sabine die Kontoauszüge der letzten vier Monate hingelegt. Dienstagnachmittage, bei denen sie angeblich "länger in der Praxis" geblieben war, Kartenzahlungen in einem Parkhaus am Kurfürstendamm, von dem aus sie nie zur Praxis gefahren wäre. Ich hatte nichts bewiesen, nur Daten aufgereiht. Sie hat sie angesehen, einmal, zweimal, und dann aufgehört zu leugnen.

"Es war nur zweimal", sagte sie. Ich habe nicht nach dem dritten Mal gefragt. Es war egal.

Albrecht hat mir in den folgenden zwei Wochen geholfen, die Trennung von Tisch und Bett rechtlich vorzubereiten, bevor überhaupt ein Scheidungsantrag gestellt war. Das Haus in Marienfelde haben wir verkauft – 410.000 Euro, nach Abzug der Restschuld blieben uns je rund 96.000 übrig. Ich habe meinen Anteil genommen, in die Werkstatt investiert, eine vierte Hebebühne gekauft und einen zweiten Angestellten eingestellt, einen jungen Kerl namens Jonas, der mir half, die Auftragsbücher wieder zu füllen.

Was mit Frank und Petra passiert ist, weiß ich nur aus zweiter Hand, von unserem gemeinsamen Nachbarn Herrn Kowalski. Frank hat weiter bei der BSR gefahren, Petra ist angeblich bei ihrer Schwester in Neukölln untergekommen, nachdem auch bei ihnen die Scheidung eingereicht wurde – Frank wollte plötzlich doch nicht mehr "arrangiert" sein, als die Details auf dem Tisch lagen. Mit beiden habe ich seitdem kein Wort mehr gewechselt.

Sabine hat zweimal versucht, wieder Kontakt aufzunehmen, einmal vor der Weihnachtsfeier der Zahnarztpraxis, einmal im Januar, als die Scheidung rechtskräftig wurde. Beide Mal habe ich nicht zurückgerufen.

Ich habe aus dem gemeinsamen Haus nur zwei Dinge mitgenommen: die alte Standuhr meines Vaters und einen Karton mit Werkzeugen, die noch von ihm stammten. Den Rest – Möbel, das Geschirr, die Fotos von unseren gemeinsamen Mallorca-Urlauben – habe ich Sabine komplett überlassen, ohne Streit, ohne ein einziges zusätzliches Wort beim Notar.

Heute steht die Standuhr in der Ecke meiner Werkstatt, neben dem Kalender, auf dem Jonas die Termine der Kunden einträgt. Jeden Mittag, wenn ich die Werkbank abwische und die Rechnungen für die Woche sortiere, schlägt sie zwölf Mal. Ich zähle die Schläge nie mit. Ich höre nur, wie Jonas unter dem BMW auf der zweiten Hebebühne über Dieselmotoren schimpft, und drehe mich wieder zu meiner Arbeit um.

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