Wenn du Klaus weiter triffst, brauchst du Weihnachten nicht zu uns zu kommen — sagte Ingrids Tochter.

— Wenn du Klaus weiter triffst, brauchst du Weihnachten nicht zu uns zu kommen — sagte Ingrids Tochter.

Ingrid schluckte. Sie war 58 Jahre alt und hatte nach ihrer Scheidung zwölf Jahre lang allein in Lübeck gelebt. Sie hatte gearbeitet, ihre kranke Mutter gepflegt und war jederzeit für ihre Kinder da gewesen.

Klaus lernte sie während einer Reha kennen. Er war Tischler im Ruhestand, ein ruhiger Witwer mit warmen Augen. Bei ihm musste Ingrid nichts erklären. Er hörte zu, kochte morgens Kaffee und bemerkte sogar, wenn ihre Hände vor Schmerzen zitterten.

Ihre Kinder waren überzeugt, dass er es auf ihre Ersparnisse abgesehen hatte.

Aus Angst vor einem Streit traf Ingrid ihn heimlich. Doch irgendwann sagte Klaus:

— Liebe, die man verstecken muss, macht auf Dauer nicht glücklich.

Kurz vor Weihnachten fiel in Ingrids Haus die Heizung aus. Draußen lag Schnee, und die Temperatur sank immer weiter. Ihre Kinder hatten keine Zeit, zu kommen. Klaus fuhr noch in derselben Nacht zu ihr, organisierte einen Heizungsdienst und blieb, bis das Haus wieder warm war.

Als die Tochter am nächsten Morgen eintraf, sah sie Klaus in der Küche. Er kochte Suppe, während Ingrid schlief.

— Ich brauche weder das Haus noch das Geld Ihrer Mutter — sagte er. — Ich habe selbst genug. Aber kein Mensch sollte frieren, nur weil seine Familie beschäftigt ist.

Ingrid stellte sich neben ihn.

— Ich liebe euch. Doch ich werde mich nicht einsam machen, damit ihr euch sicherer fühlt. Klaus nimmt euch eure Mutter nicht weg. Er gibt mir ein Stück Leben zurück.

Am Heiligabend klingelte es. Vor der Tür standen ihre Kinder mit Geschenken. Die Tochter hielt noch ein weiteres Päckchen in der Hand.

Darauf stand: „Für Klaus.“

Hat eine Frau mit 58 nicht genauso ein Recht auf Liebe wie mit 28?

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MagistrUm
Wenn du Klaus weiter triffst, brauchst du Weihnachten nicht zu uns zu kommen — sagte Ingrids Tochter.