Als Jana den kleinen Kater zurückbrachte, stand sie nicht einmal vor meiner Haustür. Sie wartete am Gartenzaun, als hätte sie Angst, das Grundstück zu betreten.

Als Jana den kleinen Kater zurückbrachte, stand sie nicht einmal vor meiner Haustür. Sie wartete am Gartenzaun, als hätte sie Angst, das Grundstück zu betreten.

In ihren Händen hielt sie einen blauen Wäschekorb. Darin lag Emil unter einer karierten Decke.

—Ich kann ihn nicht behalten, sagte sie.

Vor zwei Monaten war Jana von Hamburg bis zu meinem Haus bei Lüneburg gefahren, um ihn zu adoptieren. Sie hatte eine neue Transportbox, hochwertiges Futter und einen Kratzbaum bestellt, noch bevor sie Emil persönlich kannte.

—Bei mir bleibt er für immer, hatte sie versprochen.

Emil war damals vier Monate alt. Ich hatte ihn im Winter hinter einem geschlossenen Ausflugslokal gefunden. Er war unterkühlt, abgemagert und so schwach gewesen, dass er seinen Kopf kaum heben konnte. Nachdem er gesund geworden war, verwandelte er sich in einen sanften, anhänglichen Kater.

Jana schickte mir fast täglich Bilder. Emil auf ihrem Schoß. Emil unter der Bettdecke. Emil mit einer Pfote auf ihrer Wange.

„Er ist mein Zuhause geworden“, schrieb sie einmal.

Nun lag er wieder in einem Wäschekorb.

—Warum? fragte ich.

Jana sah zu Boden.

—Er passt nicht mehr in mein Leben.

Ich spürte, wie sich alles in mir verhärtete.

Hinter ihr stand ein Kleinwagen mit geöffneter Heckklappe. Der Kofferraum war voll mit Kartons, Müllsäcken und einem zusammengerollten Teppich. Auf dem Rücksitz lagen zwei Koffer.

Ich bemerkte es, doch ich deutete es falsch. Ich hielt es für einen gewöhnlichen Umzug, bei dem das Tier plötzlich unbequem geworden war.

—Hat Emil etwas kaputt gemacht?

—Nein.

—Ist er unsauber?

—Nein.

—Hat er jemanden gebissen?

Jana schüttelte den Kopf.

—Er war wunderbar.

—Dann verstehe ich nicht, weshalb du ihn abgibst.

Ihre Finger schlossen sich fester um den Korb.

—Weil wunderbar manchmal nicht reicht.

Diesen Satz nahm ich ihr übel.

Seit zwölf Jahren nahm ich Katzen in Pflege. Ich hatte zu oft erlebt, wie Menschen ein Tier auswählten, weil es auf Fotos niedlich aussah, und es zurückgaben, sobald Verantwortung nicht mehr bequem war. Ich kannte die Gründe: eine neue Wohnung, ein neuer Partner, Urlaubspläne, Haare auf der Kleidung.

Ich war es leid, freundlich zu bleiben, während Tiere den Preis für menschliche Entscheidungen bezahlten.

Jana reichte mir eine Tasche.

—Sein Futter, die Augentropfen und sein Stofffisch sind darin. Ohne den schläft er schlecht.

Dann gab sie mir einen Umschlag.

—Für die Menschen, die ihn aufnehmen.

—Für seine nächste Familie?

Ihre Lippen zitterten.

—Für seine letzte.

Ich nahm Emil mit, ohne mich zu verabschieden.

Während der Fahrt lag er reglos unter der Decke. An einer roten Ampel streckte ich meine Hand durch die Öffnung des Korbes. Er legte seine Pfote darauf.

—Du bist nicht schuld, sagte ich.

Zu Hause brachte ich ihn in das freie Pflegezimmer. Normalerweise erkundeten Katzen zuerst jeden Winkel. Emil blieb im Korb liegen, als hätte er beschlossen, keinen neuen Ort mehr als sicher anzusehen.

Ich setzte mich neben ihn und öffnete den Umschlag.

Darin lag ein handgeschriebener Brief, eine silberne Marke und ein Schlüssel.

„Liebe Sabine,

du wirst mich vermutlich verachten.

Emil hat nichts falsch gemacht. Er hat nicht gekratzt, nicht gebissen und nie etwas zerstört. Wenn ich nachts wach lag, setzte er sich neben meinen Kopf und schnurrte, bis ich einschlief.

Vor sechs Wochen habe ich meine Stelle verloren. Mein Vermieter hat mir gekündigt, weil ich die Miete nicht mehr vollständig zahlen konnte. Ab heute habe ich keine Wohnung mehr. Eine Bekannte lässt mich vorübergehend auf ihrem Sofa schlafen, aber ihr Sohn reagiert stark allergisch auf Katzen.

Ich habe jeden angerufen, den ich kenne. Niemand konnte Emil aufnehmen.

Ich habe gelogen, als ich sagte, er passe nicht in mein Leben. Ich schämte mich zu sehr, dir zu erzählen, dass mein ganzes Leben in den Kofferraum eines alten Autos passt.

Bitte sage seiner neuen Familie, dass er geliebt wurde. Er wird nicht zurückgegeben, weil er schwierig war. Er wird zurückgebracht, weil ich nicht will, dass er mit mir von Sofa zu Sofa ziehen muss.

Der Schlüssel im Umschlag gehörte zu unserer Wohnung. Ich wollte ihn aufbewahren, aber er öffnet keine Tür mehr.

Jana.“

Auf der Marke stand:

„Du hast mich jeden Tag nach Hause kommen lassen.“

Ich legte den Brief auf meine Knie.

Plötzlich sah ich nicht mehr die Frau, die ein Tier loswerden wollte. Ich sah die Kartons, die Müllsäcke, das überladene Auto und jemanden, der offenbar nicht wusste, wo er am nächsten Morgen aufwachen würde.

Ich rief Jana an.

—Wo bist du?

—Auf einem Parkplatz.

—Hast du einen Schlafplatz?

—Für ein paar Nächte.

—Warum hast du mich nicht um Hilfe gebeten?

Sie lachte kurz, ohne Freude.

—Weil ich Emil zu dir gebracht habe. Ich wollte nicht auch noch mich selbst abladen.

—Menschen sind kein Gepäck.

Sie schwieg.

—Emil wartet an der Tür, sagte ich.

Da begann sie zu weinen.

Am selben Abend schrieb ich einen Beitrag. Ich erwähnte Janas Namen nicht. Ich erzählte von einer Frau, die alles verloren hatte und trotzdem dafür sorgte, dass ihr Kater nicht auf der Straße landete.

Die Geschichte verbreitete sich. Viele wollten Emil adoptieren. Doch andere boten Jana Hilfe an.

Eine ältere Dame aus Uelzen meldete sich. Sie besaß eine kleine Einliegerwohnung und suchte Unterstützung im Haushalt.

„Die Wohnung steht leer“, schrieb sie. „Und Katzen waren hier schon immer willkommen.“

Zwei Tage später fuhr ich mit Emil dorthin.

Jana stand vor dem Haus. Als sie seinen Namen rief, begann er so laut zu miauen, dass ich Mühe hatte, die Transportbox zu öffnen. Er sprang heraus, rannte zu ihr und kletterte an ihrem Mantel hoch.

Jana setzte sich auf die Stufe und drückte ihn an sich.

—Ich dachte, du würdest glauben, ich hätte dich verlassen.

Emil presste den Kopf gegen ihr Gesicht und schnurrte.

Die ältere Dame stand in der Tür und hielt eine Tasse Kaffee in beiden Händen.

—Nun kommen Sie beide erst einmal herein, sagte sie. —Alles Weitere klären wir später.

Jana fand nach einigen Monaten eine feste Stelle. Ein Jahr später bezog sie eine eigene Wohnung. An der Wohnungstür hing ein kleines Holzschild mit zwei Namen: Jana und Emil.

Sie schickte mir ein Foto davon.

Darunter schrieb sie:

„Der alte Schlüssel hat keine Tür mehr geöffnet. Aber er hat uns zu Menschen geführt, die eine neue gefunden haben.“

Ich bewahre den Schlüssel bis heute in einer Schublade auf.

Er erinnert mich daran, dass nicht jeder, der loslässt, lieblos ist. Manche Menschen halten so lange fest, bis ihre Hände leer und wund sind. Dann bitten sie jemanden, das Geliebte für eine Weile zu tragen.

Ein Zuhause für immer ist deshalb nicht unbedingt ein Ort, an dem niemals etwas zerbricht.

Es ist ein Ort, zu dem Liebe zurückfinden kann — manchmal über Umwege, durch fremde Hände und durch eine Tür, die sich genau in dem Moment öffnet, in dem alle anderen längst verschlossen scheinen.

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MagistrUm
Als Jana den kleinen Kater zurückbrachte, stand sie nicht einmal vor meiner Haustür. Sie wartete am Gartenzaun, als hätte sie Angst, das Grundstück zu betreten.