Mark wartete am Empfang der Privatklinik am Stadtrand von Freiburg, dass ihn jemand bemerkte. Er trug noch den hellblauen Anzug vom Morgen, das Hemd an den Achseln feucht, obwohl es draußen nicht wärmer war als zwölf Grad. Der Flieder im Foyer roch so stark, dass ihm kurz übel wurde. Am Arm trug er die Tüte vom Konditor mit dem gesprenkelten Schokoladenkuchen, in die er unterwegs eine Flasche Sekt gesteckt hatte. Er hatte sich vorgestellt, wie er damit ans Bett tritt, Emily lächelt, irgendwann würde sie ihm verzeihen, dass er nicht dabei war. So war es doch immer gewesen.

Mark wartete am Empfang der Privatklinik am Stadtrand von Freiburg, dass ihn jemand bemerkte. Er trug noch den hellblauen Anzug vom Morgen, das Hemd an den Achseln feucht, obwohl es draußen nicht wärmer war als zwölf Grad. Der Flieder im Foyer roch so stark, dass ihm kurz übel wurde. Am Arm trug er die Tüte vom Konditor mit dem gesprenkelten Schokoladenkuchen, in die er unterwegs eine Flasche Sekt gesteckt hatte. Er hatte sich vorgestellt, wie er damit ans Bett tritt, Emily verzeiht ihm irgendwann, dass er nicht dabei war. So war es doch immer gewesen.

Die Schwester an der Anmeldung hob erst nach dem zweiten Ansprechen den Kopf. Eine junge Frau, das Namensschild schief angeklippt: *Maren Berger*. Sie sah ihn an, dann den Kuchen.

»Ich will zu meiner Frau«, sagte er. »Emily Hartwig. Sie hat heute Nacht entbunden. Drillinge. Kaiserschnitt.«

Maren Berger tippte etwas in den Computer und runzelte die Stirn. Sie war noch nicht lange in der Klinik, das merkte man an der Art, wie sie über die Tastatur fuhr.

»Hartwig?«, wiederholte sie. »Station Drei?«

»Weiß ich nicht. Welche Station ist die Wöchnerinnenstation?«

»Moment.«

Sie nahm den Hörer vom Wandtelefon und wählte. Mark lehnte sich mit der Schulter an den Empfangstresen und versuchte, gleichgültig auszusehen. Er fuhr sich mit zwei Fingern durch den Kragen. Der Geruch von Himbeercreme klebte noch an seinem Handgelenk, obwohl er sich im Auto die Hände mit Desinfektionsmittel abgerieben hatte. Hätte er auf die Nachricht geantwortet, wäre der Abend anders gelaufen. Aber der Anruf war im falschen Moment gekommen, und danach hatte er ihn vergessen. Einfach vergessen.

»Hartwig, Emily, Zimmerebene vier«, sagte jemand durch den Hörer.

Maren Berger legte auf. »Vierte Etage. Zimmer 417. Aber die Besuchszeit ist eigentlich—«

»Danke.«

Er stieg in den Aufzug, drückte viermal den Knopf für die vierte Etage, als ließe sich die Kabine damit schneller bewegen. Die Türen schlossen sich. In der Spiegelwand sah er, dass ein Stück der silbernen Folie vom Kuchen unter seinen Fingern eingerissen war.

Auf dem Flur war es ruhig. Es roch nach Essen und Desinfektionsmittel. Aus einem Zimmer hörte er einen Fernseher, der leise vor sich hin lief. Vor Zimmer 417 blieb er stehen, zog das Jackett gerade und drückte die Klinke.

Das Bett war gemacht. Die Decke glatt gezogen, das weiße Leintuch ohne eine einzige Falte. Auf der Fensterbank lag ein Strauß mit rosa Rosen, die schon die Köpfe hängen ließen. Der Korb mit Weintrauben daneben war unangetastet. Keine Kliniktasche, keine Hausschuhe, keine Flasche Wasser. Auf dem Nachttisch lag nur ein zusammengefaltetes Informationsblatt über das Wochenbett.

Mark stellte die Tüte auf den Fenstersims und starrte erst auf das Namensschild an der Wand, dann auf den leeren Wickeltisch im Zimmer. Unter der Decke hätte Emily liegen müssen. Daneben drei durchsichtige Neugeborenenwannen. Aber nichts. Kein Geräusch, kein Schrank, der offen stand. Keine Schuhe unter dem Bett.

Ihm fiel die Nacht der Geburt wieder ein. Die Hebamme hatte ihn angerufen, als die Presswehen einsetzten, kurz vor Mitternacht. Er hatte da schon mit Madison auf der Terrasse der Schlossvilla gesessen. Lächerlich. Er hatte all die Jahre nicht mehr an Madison gedacht, aber dann war sie mit einmal wieder in der Stadt gewesen, und an jenem Nachmittag hatte sie ihn angerufen. Er war erst nach dem Kaffee ans Handy gegangen. Dann war es schon halb zwölf, und in der Klinik nahm niemand mehr ab.

Er drehte sich einmal im Zimmer und ging wieder auf den Flur hinaus. Eine Schwester mit einem Medikamentenwagen bog um die Ecke und sah ihn an.

»Wo ist meine Frau?«, fragte er. »Emily Hartwig. Zimmer 417.«

Die Schwester hielt den Wagen an. Sie war älter als die vom Empfang und hatte ein Stethoskop um den Hals hängen. Sie trug eine Brille mit dünnem Rahmen, und als sie ihn ansah, lag darin nicht die übliche Schwesterngeduld. Eher etwas Zurückhaltendes.

»Sind Sie der Vater?«

»Ja. Natürlich.«

Sie schwieg einen Moment.

»Ihre Frau wurde vor sechs Tagen entlassen«, sagte sie. »Zusammen mit den Kindern. Sie ist mit einem Nachsorgetaxi abgeholt worden. Da waren Sie nicht dabei?«

Mark merkte, wie seine Hand die Kante der Fensterbank suchte, als bräuchte er Halt. Sechs Tage. Er hatte Emily zuletzt vor ihrer Operation gesehen. Er hatte sich hinterher gesagt, dass nach der Geburt eh nur Chaos herrscht und dass man in den ersten Tagen ohnehin kaum ins Wochenbett darf. Jetzt spürte er, wie ihm die Kehle trocken wurde, und er versuchte, die Worte der Schwester so zu nehmen, als hätte er sich nur um einen Termin vertan.

»Sechs Tage?«, wiederholte er. »Das kann nicht sein. Sie hätte mir — wir sind doch —«

Er holte sein Handy aus der Innentasche. Der Bildschirm war gesprungen, das war schon länger so. Er entsperrte es. Die Liste der verpassten Anrufe zeigte Emilys Nummer vierzehn Mal. Der letzte Anruf war von gestern Abend, um Viertel vor sechs. Dann nichts mehr.

Er hatte die Nummer gespeichert unter *Em*. Nicht *Emily*, nicht *Frau*, nicht *Zuhause*. Nur *Em.*

Die Schwester zog den Medikamentenwagen beiseite.

»Ich informiere Sie gern, wenn etwas für die Klinik ist«, sagte sie höflich. »Aber die Zimmernummer gehört seit Montag einer anderen Patientin. Der Dame mit dem Bluthochdruck.«

Mark ging zum Aufzug zurück, ohne den Knopf zu drücken. Er blieb einfach stehen, die Tüte in der Hand, das kalte Gewicht der Sektflasche zog die Tragegriffe schmal. Unten fragte er sich, wo er überhaupt parken sollte, und es fiel ihm ein, dass er den Wagen im absoluten Halteverbot abgestellt hatte.

Als er auf dem Parkplatz ankam, lag schon ein Strafzettel hinter dem Scheibenwischer. Er stieg ein, schloss die Tür und ließ die Stirn kurz gegen das Lenkrad sinken. Das Leder war kalt und roch nach Wagenpflegemittel. Dann rief er zu Hause an. Niemand ging ran. Er rief auf Emilys Handy an. Die Mailbox wurde sofort eingeblendet, nur der elektronische Ton, keine persönliche Ansage. Er rief bei ihrer Mutter in Esslingen an. Dort klingelte es achtmal, dann legte er auf.

Er wusste plötzlich nicht, ob er nach Hause fahren sollte oder zu seiner Schwester nach Heidelberg oder einfach rüber in die Notaufnahme, als sei er selbst der Patient. Er steckte den Schlüssel ins Zündschloss und blieb sitzen, während die Innenbeleuchtung langsam erlosch.

*Letzte Woche*

Mark war am Tag der Geburt gar nicht in die Nähe der Klinik gekommen. Er saß im Wintergarten der Schlossvilla am Rande des Stadtwalds von Freiburg, vor ihm eine Tasse Kaffee, die niemand angerührt hatte. Madison hielt sein Handgelenk, als sie über früher sprachen, und er hatte das Gefühl, als wäre die Zeit von damals nur eine Tür entfernt.

Als sein Handy summte, sah er den Namen Emily auf dem Display. Er drückte den Anruf weg, ohne zu zögern, als wäre es ein Irrtum, ein Werbetext, eine Sache, die man beiseiteschiebt. Madison fragte, wer das gewesen sei. Er sagte: »Nur die Arbeit.«

Der Nachmittag hatte sich gedehnt. Kuchen, Sekt, die eine Stunde nach der anderen. Irgendwann war er nach Hause gefahren, hatte sich aufs Bett gelegt und gedacht, dass es später noch genug Zeit geben würde, in die Klinik zu fahren. Nur eine kurze Pause. Er war eingeschlafen, ohne die Schuhe auszuziehen.

Am Morgen danach hatte das Krankenhaus angerufen. Eine Frauenstimme, die von auffälligen Werten bei einem der Kinder sprach. Er hatte gefragt, ob es kritisch sei. Die Stimme hatte gesagt: »Wir haben die Lage zunächst stabilisiert. Aber es ist gut, wenn der Vater bald vorbeikommt.«

Er hatte geantwortet, er sei beruflich verhindert. Das war drei Tage her.

Danach hatte er es versucht. Einmal, wohl. Er war bis zur Einfahrt des Klinikgeländes gefahren, hatte das Hinweisschild zur Notaufnahme gesehen und gedacht: Wenn ich jetzt da reingehe, muss ich alles erklären. Er war rechts abgebogen und zur Autobahn. Der Stau bei Denzlingen hatte ihm recht gegeben. Es wäre ja auch keiner da gewesen, hätte er gesagt, wenn ihn jemand gefragt hätte. Alles hätte er gesagt. Aber niemand fragte.

*Vier Tage nach der Entbindung*

Mark klingelte an der Wohnungstür. Er hatte lange überlegt, ob er erst etwas essen gehen sollte, dann war ihm eingefallen, dass in der Tiefgarage möglicherweise noch ihr Wagen stand. Der Platz neben seinem war leer. Auf dem Briefkasten fehlte der kleine handgemalte Namensaufkleber der Kinder, den Emily selbst gebastelt hatte. Nur noch ein Klingelschild: *Hartwig*.

Er schloss auf. Die Flurlampe brannte nicht. Er drückte auf den Lichtschalter, aber es klickte nur. Er wusste, dass er die Birne vor einer Woche hatte wechseln wollen. Im Wohnzimmer war auf den ersten Blick nichts verändert: das Sofa, die Regale, der Fernseher, der Küchenstuhl mit der Milchtüte vom vorherigen Frühstück. Erst beim zweiten Hinschauen bemerkte er, dass ein Karton mit Babysachen fehlte, den Emily neben das Sofa gestellt hatte. Und dass ihre Winterschuhe nicht mehr auf dem Schuhregal standen.

Auf dem Tisch lag ein Briefumschlag. Er war nicht zugeklebt. Auf der Vorderseite stand mit schwarzem Stift sein Name, nicht mehr. Er machte ihn auf, zog ein einzelnes Blatt heraus. Es war derselbe rosa Klinikbogen, den er schon in Zimmer 417 gesehen hatte. Darunter, in Emilys Handschrift, drei Zeilen:

*Die Wohnung ist ab dem Ersten weitervermietet. Den Mietvertrag habe ich beim Vermieter gekündigt: Zahlen Sie direkt an mich.*

*Die Kinder und ich bleiben vorerst nicht erreichbar. Du hast genug gewusst.*

*Es gibt keinen Grund, nach uns zu suchen.*

Er las die Zeilen dreimal. Beim letzten Mal merkte er, dass seine Hände zitterten. Nicht wegen der Worte. Sondern wegen des beigelegten Kontoauszugs, den Emily eingesteckt hatte, als sollte er sehen, was ihn diese sechs Tage gekostet hatten. Oben rechts stand ihre neue Bankverbindung, eine Filiale in Potsdam, und darunter, auf dem Absenderfeld des Umschlags selbst, eine Adresse: *c/o I. Brandt, Waldstraße, Potsdam*. Der Name ihrer Mutter fiel ihm nicht sofort ein, aber er wusste, dass Emilys Tante Ingrid so hieß.

Auf dem Auszug standen 6.800 Euro Kindergeldrückstände, 1.900 Euro für den Umzugswagen, und eine Summe, die sie für die erste Miete bereits überwiesen hatte: 3.450 Euro.

Er sah auf das Datum. Das war der Tag, an dem er mit Madison am See Kaffee getrunken und über die Renovierung seines Cabrios gesprochen hatte.

*Sechs Tage nach der Entbindung*

Mark saß bis einundzwanzig Uhr zehn in der leeren Wohnung. Dann stand er auf, zog die Tür hinter sich zu und warf den Schlüssel nicht in den Briefkasten, sondern behielt ihn. Er fuhr zur Sparkasse und ließ sich am Automaten einen Auszug ihres gemeinsamen Kontos geben, das sie all die Jahre für die Fixkosten benutzt hatten. Dort standen ihre letzten Abhebungen: die Überweisung an den Vermieter, eine Barabhebung über zweitausend Euro, eine Lastschrift für einen Umzugswagen. Er strich mit dem Daumen über die Zeilen, als könnte er darin lesen, wann genau sie beschlossen hatte zu gehen.

Er rief nicht die Polizei. Er rief niemanden an. Er stand auf dem Parkplatz und drückte die Kippe auf dem Beton aus, obwohl er gar nicht richtig rauchte. Ihm fiel ein Satz ein, den Emily einmal gesagt hatte, an einem Abend im Januar, als sie im Flur stand: *Wenn du wieder nicht da bist, wenn es wirklich drauf ankommt, dann musst du mich gehen lassen.* Damals hatte er gelächelt und geantwortet, das werde nicht passieren. Sie hatte nicht zurückgelächelt.

Später klingelte sein Handy. Nicht Emily. Madison Vale. Er meldete sich nicht. Er schob das Handy in die Hosentasche und spürte, wie der Karton mit den Babysachen, den Emily nicht mitgenommen hatte, im Kofferraum gegen die Rückbank rutschte.

*Mittwoch, 13:40 Uhr*

Mark stand am Bahnhof von Freiburg. Er hatte die Wohnung nicht verriegelt, aber er hatte das Türschloss ausgewechselt. Vor ihm hing die Anzeigetafel. Der ICE nach Potsdam hatte Verspätung, elf Minuten. Er zog den Zettel aus der Innentasche, faltete ihn auseinander. Die Zahlen darunter. 6.800 Euro. 1.900 Euro. 3.450 Euro.

Er hatte einen Umschlag mit 12.150 Euro dabei. Nicht als Wiedergutmachung, sondern als Übergabe. Er hatte den Betrag exakt zusammengestellt: alles, was Emily für die Kinder und den Umzug bezahlt hatte. Es war das Einzige, was er noch tun konnte.

Er wusste, dass der Zug weiterfahren würde, ob er einstieg oder nicht.

Als die Anzeige auf *Gleis 3* wechselte, hob er die Reisetasche vom Boden. Ein Nylonriemen hatte sich verdreht. Er zog ihn gerade. Dann ging er durch die Sperre, die Treppe hoch, und stellte sich an die Bahnsteigkante. Kaum jemand war dort. Nur eine Frau mit Kinderwagen und ein Mann mit einem Rollkoffer, das Handy zwischen Ohr und Schulter: »Ich bin gleich da. Nein, du brauchst nichts zu machen. Ich bin gleich da.«

Mark atmete aus. Er war noch nie in Potsdam gewesen. Die Durchsage meldete den Zug, erst leise, dann glitt die weiße Front unter dem Vordach heran. Die Türen öffneten sich mit einem Zischen. Er stieg ein, suchte einen Platz am Fenster, und während der Zug an den Gleisen vorbei nach Norden fuhr, sah er auf dem Display seines Handys, wie Madison Vale ein letztes Mal versuchte, ihn zu erreichen. Er drückte nicht weg. Er legte das Gerät mit dem Bildschirm nach unten auf den Klapptisch. Draußen kamen die ersten Reihen der Vorortdächer, flach und grau, und dahinter Wälder, die langsam im Nieselregen verschwanden.

*Waldstraße, Potsdam, 20:05 Uhr*

Das Haus war ein Altbau mit abblätterndem Putz, drei Klingeln, eine davon mit Klebeband beschriftet: *Brandt / Hartwig*. Mark stand eine Weile davor, die Reisetasche zwischen den Füßen, bevor er drückte.

Es dauerte lange. Dann knackte die Gegensprechanlage, kein Wort, nur ein Rauschen, als hätte jemand den Hörer abgenommen und nicht gesprochen.

»Ich bin's«, sagte er. »Mark.«

Nichts. Dann ein Summen, der Türöffner. Er schob die Tür auf und stieg die Treppe hinauf, zweiter Stock, eine Wohnungstür stand einen Spalt offen, Licht fiel schräg auf den Treppenabsatz.

Emily stand im Türspalt, eines der Babys auf dem Arm, in eine graue Decke gewickelt. Sie trug einen Bademantel, die Haare zu einem losen Knoten gebunden. Sie sah ihn nicht überrascht an. Eher so, als hätte sie mit genau diesem Moment gerechnet und ihn trotzdem nicht gewollt.

»Du hättest anrufen können«, sagte sie.

»Du hast nicht abgenommen.«

»Das war Absicht.«

Hinter ihr, aus einem der Zimmer, begann eines der anderen Kinder zu weinen, ein dünnes, ansteigendes Quäken. Emily drehte kurz den Kopf zur Seite, dann wieder zu ihm.

Mark stellte die Reisetasche ab, kniete sich hin und zog den Umschlag heraus. Er hielt ihn ihr hin, über die Türschwelle.

»Das ist alles, was auf dem Auszug stand. Miete, Umzugswagen, das Kindergeld. Ich wollte nicht, dass du das allein trägst.«

Emily sah auf den Umschlag, machte aber keine Anstalten, ihn zu nehmen. Das Baby in ihrem Arm hatte die Augen geschlossen, die Fäustchen an den Bademantelkragen gepresst.

»Es geht nicht ums Geld, Mark.«

»Ich weiß.«

»Weißt du es?«

Er stand auf. Aus dem Zimmer hinter ihr wurde das Weinen lauter, dann übernahm eine andere Stimme, Emilys Tante vermutlich, die leise auf das Kind einredete. Emily blieb im Türspalt stehen, eine Hand am Rahmen, als markierte sie eine Grenze, die sie noch nicht zu überschreiten bereit war.

»Ich lasse dich jetzt nicht rein«, sagte sie. »Aber ich nehme das Geld. Für die Kinder.«

Sie streckte die freie Hand aus. Mark legte ihr den Umschlag hinein, und ihre Finger schlossen sich kurz um seine, bevor sie den Umschlag an sich zog und einen Schritt zurücktrat.

»Ruf morgen an«, sagte sie. »Mittags. Da schlafen sie.«

Dann schloss sie die Tür, nicht hart, nur bestimmt, und er hörte den Riegel vorgeschoben werden. Mark blieb auf dem Treppenabsatz stehen, die leere Reisetasche in der Hand, und hörte durch die Tür, wie das Weinen langsam aufhörte.

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MagistrUm
Mark wartete am Empfang der Privatklinik am Stadtrand von Freiburg, dass ihn jemand bemerkte. Er trug noch den hellblauen Anzug vom Morgen, das Hemd an den Achseln feucht, obwohl es draußen nicht wärmer war als zwölf Grad. Der Flieder im Foyer roch so stark, dass ihm kurz übel wurde. Am Arm trug er die Tüte vom Konditor mit dem gesprenkelten Schokoladenkuchen, in die er unterwegs eine Flasche Sekt gesteckt hatte. Er hatte sich vorgestellt, wie er damit ans Bett tritt, Emily lächelt, irgendwann würde sie ihm verzeihen, dass er nicht dabei war. So war es doch immer gewesen.