– Tantchen, hast du etwas Brot? Kannst du mir etwas geben?

Julia ist 37 und war noch nie verheiratet. Früher hat sie als Buchhalterin gearbeitet. Sie kann den Sinn des Lebens immer noch nicht finden. Sie kann ihre Berufung nicht finden.

Sie war sehr müde. Sie stand auf und zwang sich, zur Arbeit zu gehen. Es war wieder ihre Schicht. Das Mädchen bekam einen Job als Kellnerin. Jetzt musste sie die Gäste auf der Sommerterrasse bedienen, und wenn es ihre Schicht war, kam sie um sechs Uhr morgens zur Arbeit. Immerhin kamen schon ab sieben Leute.

Da sie in einem Vorort wohnte, musste sie, um nicht zu spät zu kommen, sogar noch früher am Arbeitsplatz sein – um fünf Uhr. Sonst hat sie keine Zeit, sich umzuziehen, und manchmal passiert ihr ein Missgeschick mit ihrem Verkehrsmittel. Der Bus kann sich verspäten oder sie bleibt im Stau stecken.

Dann begann Julia, wie immer, vor der Eröffnung des Sommerspielplatzes die Tische abzuwischen, weil sich über Nacht immer wieder Staub darauf absetzte. Die Gäste sollten auf sauberen Stühlen sitzen. Sie säuselte eine bekannte Melodie vor sich hin.

Meine Mami singt auch gut. – Plötzlich hörte sie eine Kinderstimme.

Yulia hatte nicht erwartet, zu dieser frühen Stunde jemanden zu hören. Sie sah ein kleines Mädchen von etwa fünf oder sechs Jahren vor sich. Ganz allein. Sie sah sich sogar um.

Was machst du denn hier? Ganz allein? So früh am Morgen?
Ich mache einen Spaziergang. Und um Essen für mich und meinen Bruder zu holen. Tantchen, hast du ein Stück Brot? – fragte das kleine Mädchen zögernd. Sie konnte sehen, dass sie hungrig war.
Natürlich habe ich eins. Setz dich, ich werde in der Küche nach etwas suchen. Wo ist dein Bruder? Ist er weit weg?
Nein, das ist er nicht. Er ist zu Hause. Hier, gleich um die Ecke. Mit ihrer Großmutter.

Yulia fragte nicht, warum das Mädchen allein war und wo ihre Mutter und ihr Vater waren. Und sie selbst beschloss, die Situation weiter zu erklären.

Unsere Eltern sind schon lange tot, und ihre Großmutter ist sehr alt, sie vergisst alles auf der Welt, sogar uns, ihre Enkelkinder, erinnert sie nicht immer.

Julia wusste gar nicht, was sie dazu sagen sollte. Es hat ihr einfach den Atem geraubt.

Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich werde dich nicht belästigen, gib mir nur etwas Brot und ich werde nach Hause gehen und es meinem Bruder und meiner Großmutter bringen.
Beeil dich nicht, ich komme mit dir, warte hier auf mich. Gehen Sie nicht weg.

Julia bat ihren Partner, für sie einzuspringen. Sie sagte, sie müsse eine Weile weggehen und verabschiedete das Mädchen.

Das kleine Mädchen hatte einen eigenen Schlüssel. Sie kamen herein und sahen einen Jungen von etwa eineinhalb Jahren, der auf dem Boden herumkrabbelte und spielte. Er lächelte, als er uns sah. Auf dem Bett lag eine alte Frau, die nicht einmal bemerkte, was geschah. Sie befand sich in einer Art Niederwerfung.

Was in aller Welt ist das? – fragte Julia erstaunt.

Sie rief einen Krankenwagen. Sie kamen und brachten die Großmutter weg, denn es war klar, dass dies nicht lange dauern würde. Julia nahm den Jungen und das Mädchen und brachte sie zu ihrem Haus. Dort wartete ihr 13-jähriger Sohn auf sie, der wirklich überrascht war, was da geschah. Aber als seine Mutter ihm alles erklärte, verstand er sie und unterstützte sie.

Er stritt nie mit ihrem Sohn. Zwischen ihnen herrschte ein Vertrauensverhältnis. In ihrer Familie war es nicht üblich, sich zu streiten. Er half seiner Mutter immer und ging ihr nicht auf die Nerven. Diesmal erklärte er sich bereit, bei den Kindern zu bleiben, während Julia zur Arbeit ging.

Zehn Tage später war die Großmutter weg. Es war klar, dass die Kinder in ein Waisenhaus kommen würden. Aber Julias Herz war zerrissen – sie waren so lieb, so gehorsam, so an sie gewöhnt, dass sie sich nicht von ihnen trennen wollte. Julia verstand, wie es für sie in einem Heim mit Fremden sein würde. Also beschloss sie, die Verantwortung zu übernehmen und sie zu adoptieren oder zu übernehmen. Kurz gesagt, sie wollte Vormund werden.

Sie musste ihren Job als Kellnerin aufgeben und einen Job bei einem Freund annehmen, der ihr schon lange vorgeschlagen hatte, Buchhalterin zu werden. Ihr Freund half ihr sogar bei den Formalitäten. Nach ein paar Wochen konnte Julia die Kinder auf Dauer zu sich nehmen, und zwar ganz legal.

Das war’s also! Deshalb wolltest du also Kellnerin werden! – Mein Freund scherzte.
Du hast Recht, es war ein langfristiger Plan, der jetzt erst in Erfüllung geht.

Wer hätte gedacht, dass sich ihr Leben so dramatisch verändern würde. Dass sie drei ganze Kinder haben und sich zwischen verschiedenen Berufen entscheiden muss. Aber Julia ist es nicht gewohnt, stark zu sein. Sie nahm diese Herausforderung an, die ihr das Schicksal zuwarf.

 

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