– Natasha! Es tut mir so leid! Kann ich zu dir zurückkommen?

Mein Mann Sascha und ich leben seit über 20 Jahren zusammen. Wir haben ruhig und friedlich gelebt. Wir hatten eine Datscha, in die wir jedes Wochenende fuhren. Sascha hat die Wohnung geputzt und ich habe gekocht. Ich dachte, wir würden so leben, bis wir sehr alt sind. Und dann hat mir Sasha plötzlich die Nachricht überbracht:

– Natascha, es tut mir leid. Ich verlasse dich. Ich habe eine andere Frau kennen gelernt und mich sehr in sie verliebt!

Natürlich war ich mit meinen 38 Jahren nicht dumm. Ich konnte sehr wohl sehen, dass mein Mann eine andere Frau hatte. Ich habe versucht, keine Tragödie daraus zu machen. Ich dachte, dass Sasha mich nie verlassen würde. “Nette” Bekannte schickten mir sogar oft Bilder von Sascha mit seiner Geliebten. Aber ich habe es toleriert. Und dann sagte Sasha plötzlich, dass er mich verlässt. Für mich war das eine völlige Überraschung.

Es war gut, dass sich wenigstens unsere Tochter zu dieser Zeit mit ihren Freunden am Meer erholte. Um mich zu beruhigen, erzählte ich meinen Freundinnen, dass mein Mann mich verlassen hatte.

Wir versammelten einen Frauenrat. Eine Freundin riet mir, abzunehmen und sich einen anderen Mann zu suchen. Eine andere Freundin riet mir, sofort zu meiner Großmutter zu gehen und ihren Mann zurückzuholen. Die dritte Freundin riet mir sofort, einen neuen Mann zu finden.

Und Mascha sagte:
– Und du lebst so, wie du gelebt hast! Das wird einfacher sein!
– Aber ich kann so nicht leben! Es schmerzt mich so sehr!
– Und du musst es tun! Mit der Zeit wird der Schmerz vergehen. Das kannst du mir glauben. Ich habe schon drei Scheidungen hinter mir. Du räumst die Wohnung auf, kochst, gehst zur Arbeit, schaust Filme und liest Bücher.
– Aber für wen soll ich denn kochen?
– Für wen? Für uns! Wir werden jeden Abend zu dir kommen und alles essen, was du kochst!

Ich bedankte mich bei meinen Freunden für ihren Rat. Aber lange Zeit konnte ich mich nicht entscheiden: Welchem Rat sollte ich folgen?

Schließlich entschied ich mich, zuerst zu meiner Großmutter zu gehen. Ich machte ein Foto von meinem Mann und seiner Geliebten. Die Wahrsagerin legte die Karten, hielt ein Ritual ab und sagte, dass ihr Mann in zwei Wochen zu mir zurückkehren würde.

Aber er kam weder in zwei Wochen, noch in einem Monat zurück. Zur gleichen Zeit gab ich der Frau die Hälfte meines Monatsgehalts. Ich war sehr einsam und traurig ohne meinen Mann. Und dann fing ich an, im Laden Kuchen und Gebäck in großen Mengen zu kaufen. Nach zwei Wochen habe ich mich gewogen und gemerkt, dass es so nicht weitergehen kann. Ich hatte auf einmal 7 Kilo zugenommen.

Dann habe ich beschlossen, anders zu handeln. Ich machte einen Generalputz im Haus, wusch alles auf Hochglanz, pflanzte die Blumen um, stellte alle Möbel neu auf. Meine Wohnung war so gemütlich und schön! Und ich meldete mich auch zum Tanzen an: Ich musste ja irgendwie abnehmen, nachdem ich so viele Kuchen und Torten gegessen hatte. Jeden Tag habe ich eine Suppe gekocht, die mein Mann so sehr liebte. Und dann kamen meine Freundinnen zu mir gerannt und haben alles aufgegessen. Wenn sie weg waren, habe ich mir die Serie Game of Thrones angesehen.

Sasha und ich hatten schon viel darüber gehört, aber wir hatten nie Zeit, sie zu sehen. Ich mochte diesen Film sehr. Ich habe ihn mir abends gerne angesehen. Und dann, eines Abends, ging plötzlich die Tür auf. Sascha kam ins Zimmer. Er sah, wie sauber und schön meine Wohnung war. Die Wohnung roch nach seinem grünen Lieblingsborschtsch. Und ich saß ruhig auf dem Sofa und schaute eine Fernsehserie.

– Natascha, guten Abend. Ich bin gekommen, um die Sachen abzuholen, die ich beim letzten Mal nicht abgeholt habe.
– Ja, ja, natürlich! Ich habe sie schon gefaltet! Hast du eine Tasche?
– Nein!
– Gut, ich habe eine!

Ich faltete Saschas Sachen zusammen und gab ihm die Tüte.

– Hast du grünen Borschtsch gemacht?
– Ja, das habe ich! Bist du hungrig? Willst du etwas Borschtsch?
Sascha dachte kurz nach, dann nickte er mit dem Kopf.

Ich schenkte ihm Borschtsch ein. Sascha aß zwei Teller. Und dann sagte er:
– Na, danke, Natascha! Ich gehe jetzt!
– Los! Und ich muss noch diese Folge sehen!
– Was guckst du da?
– “Game of Thrones”.
– Und wir wollten doch einmal, erinnerst du dich, diesen Film zusammen sehen? – fragte Sasha traurig.
– Ich erinnere mich! – antwortete ich.

Dann ging Sasha weg. Ich weinte eine Weile, dann sah ich mir den Rest des Films an und ging ins Bett. Zwei Wochen später kam Sasha mit all seinen Sachen zu mir. Ich sah ihn an und verstand nicht, was los war.

– Natasha, es tut mir leid! Ich liebe dich so sehr! Ich liebe deine Suppe und deinen Borschtsch, deine gemütliche Wohnung. Verzeih mir, verzeih mir, es tut mir leid, dass ich mich von deinem jungen Körper entfernt habe.
– Du hast also meinen Borschtsch vermisst?
– Ich vermisse alles! Aber vor allem habe ich dich vermisst!
– Ist ja gut! Komm doch rein.
– Ich schäme mich so für dich und unsere Tochter. Du wirst ihr doch nichts sagen?
– Na gut, ich sage nichts. Willst du etwas essen?
– Ja, gerne. Ich danke dir vielmals.

 

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