Meine Tochter ist mein Feind

Ich lebte mit meiner Mutter und meiner Großmutter in der gleichen Kleinstadt. Als ich 20 wurde, zog ich in die Stadt. Dort fand ich einen Job und mietete eine Wohnung.

Meine Mutter und meine Großmutter dachten auch über einen Umzug nach. Meine Mutter hatte Angst, ihr Haus auf dem Lande zu verkaufen. Generell hatte sie Angst vor allen Hindernissen, die sich ihr in den Weg stellten. Sie befürchtete, dass man sie betrügen würde, dass man ihr Geld stehlen würde, dass man sie aus ihrer neu gekauften Wohnung rauswerfen würde. Ich beschloss, eine Hypothek aufzunehmen, und wenn sie das Haus verkauften, würden sie einen Teil der Kosten übernehmen. Die Risiken waren minimal, meine Mutter war beruhigt.

Ein Jahr später setzten wir diesen Plan in die Tat um. Das Geld aus dem Verkauf reichte gerade aus, um die Hypothek zu tilgen. Ich meldete die Immobilie auf den Namen meiner Mutter an und lebte ohne Sorgen, denn ich hatte mein Ziel erreicht.

Das Geld aus dem Verkauf blieb – um mir zu helfen, das Wohnungsproblem zu lösen, dachte meine Mutter nicht einmal. Und ich wusste nicht, wie ich sie bitten sollte. Mein Mann und ich sparten auf eigene Faust, wir warteten nicht auf Hilfe von irgendjemandem.

Früher lebten meine Mutter und meine Großmutter im selben Haus, aber in getrennten Zimmern, aber jetzt mussten sie sich denselben Wohnraum teilen. Meine Mutter begann durchzudrehen. Sie trieb die alte Dame buchstäblich hinaus. Sie schrie, dass es ein Fehler sei, dass sie jetzt keine Arbeit finden und sich kein eigenes Leben aufbauen könne. Das Schlimmste war, dass sie alles auf ihre 75-jährige Mutter schob, die sich ihr ganzes Leben lang um sie gekümmert hatte.

Ihre Großmutter ärgerte sie nur. Das Geräusch des Fernsehers, das Gehen, das Seufzen – selbst die kleinsten Dinge gingen ihr auf die Nerven. Sobald sie ein Geräusch hörte, begann sie sofort, ihre Großmutter anzuschreien.
Die alte Dame kam oft zu mir und blieb bis zum Abend. Ich habe ihr sogar den Schlüssel zu unserer Wohnung gegeben, mein Mann hatte nichts dagegen. Ich wusste schon immer, dass meine Mutter ein ungeselliger Mensch ist, aber das hätte ich von ihr nicht erwartet. Zu mir ist sie auch unhöflich, aber was kann ich dafür?

Es ist gut, dass wenigstens die Hypothek rechtzeitig abgeschlossen wurde, sonst hätte ich für die Schulden meiner Mutter aufkommen müssen. Warum habe ich mich überhaupt auf dieses Wagnis eingelassen? Ich glaube, meine Großmutter hätte friedlicher auf dem Lande gelebt, da wäre sie wenigstens Herrin über ihr eigenes Haus gewesen. Jetzt schweigt sie und schluckt ihre Beleidigungen herunter. In all den Jahren hat sie sich nur einen einzigen Feind gemacht: ihre eigene Tochter.

Sie tut mir so leid. Sie hat nie auch nur ein Wort mit ihrer Mutter gesprochen. Und jetzt? Ist das Dankbarkeit? Skandale und Demütigungen sind alles, was meine Großmutter aus dem Mund meiner Mutter zu hören bekommt. Alles, was bleibt, ist zu ertragen.

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