– Ich bin einer Führungsposition würdig, und mit weniger gebe ich mich nicht zufrieden! – antwortete der Sohn seiner Mutter

– Sohn, kannst du einkaufen gehen oder das Haus putzen?
– Ich bin beschäftigt.

Seit vielen Jahren beschränkt sich Saras Kommunikation mit ihrem Sohn auf das ewige “Ich mache das nicht”, “Ich habe keine Zeit” und “Später”. Heute beschließt Sara, es noch einmal zu versuchen.

– Mein Sohn, ich habe keine Zeit, ich habe zu Hause viel zu tun. Entweder du gehst selbst einkaufen oder du isst mit dem Brötchen von gestern.
– Ich sehe nicht ein, was daran so schlimm sein soll.

Mein Sohn hat die Tür so zugeschlagen, dass der Putz fast runterfiel. Und dieser Versuch, ihren Sohn dazu zu bringen, ihr in irgendeiner Weise zu helfen, endete in einem totalen Fiasko. Es ist nicht einfach mit Teenagern. Das ist das schwierigste Alter. In diesem Fall ist die Zeit der beste Helfer. Aber der Sohn ist längst aus diesem Alter herausgewachsen, er ist über dreißig. Sarah holte tief Luft, um sich zu beherrschen, und ging dann selbst einkaufen. Am liebsten wäre sie nirgendwohin gegangen, aber sie brauchte auch etwas zu essen.

Auf dem Weg zum Laden dachte die Mutter darüber nach, dass es ihre eigene Schuld war, dass ihr Sohn frech und faul geworden war. Wenn man bedenkt, dass er mit seinen vierunddreißig Jahren noch nie gearbeitet hatte. Als Kind wurde ihm nie etwas verweigert, sie gab sich große Mühe, ihren Sohn dazu zu bringen, wenigstens etwas zu tun, aber sie ließ ihn nie eigene Entscheidungen treffen. Das Ergebnis war, dass ihr Sohn überhaupt nicht mehr arbeiten wollte, er weigerte sich sogar, in den Laden zu gehen.

Als Sara sich an den Herd setzte, um das Abendessen zuzubereiten, war sie regelrecht erschöpft. Sie hatte einen sehr anstrengenden Tag hinter sich. Sie hatte den ganzen Abend auf den Beinen verbracht. Nach dem Abendessen schrieb sie bis zum Morgen weiter an ihren Berichten.

– Der Eintopf? Du weißt doch, dass ich ihn nicht ausstehen kann”, sagte der Junge und trat mit missmutigem Gesicht vom Tisch weg. – Du könntest doch wenigstens Kartoffelpüree und Schnitzel machen. Oder zumindest eine Fleischpastete backen.
– Ich habe keine Kraft, um Kuchen zu backen oder Koteletts zu braten”, antwortete meine Mutter.
– Mama, du weißt doch, dass alle Menschen müde werden, auch mir ist schon vom Computer schwindelig. Ich verbringe den ganzen Tag damit, nach Stellenangeboten zu suchen und meinen Lebenslauf zu verschicken. Aber ich beschwere mich nicht bei dir.

Sarah konnte sich kaum zurückhalten, ihren Sohn anzuschreien. Sie wusste sehr gut, wie ihr Sohn nach einem Job suchte. Jeden Morgen öffnet er eine Registerkarte mit Stellenangeboten im Browser und tut so, als wäre er sehr nervös und beschäftigt. Abends geht das Ganze wieder von vorne los. In all der Zeit hat er nur zwei Bewerbungen an die zwei größten Unternehmen in ihrer Stadt geschickt. Er schreibt sie alle sechs Monate an und wartet dann mit einem Gefühl der Erfüllung auf eine Antwort von ihnen. Mein Sohn würde sich mit nichts Geringerem zufrieden geben.

– Vielleicht sollten wir uns nach etwas Leichterem umsehen? – fragte Sara ihren Sohn wütend.
– Was meinst du mit einfacher? Willst du vielleicht immer noch, dass ich die Wagen auslade? Ich bin dir so dankbar, Mama, für deine Unterstützung! – Der Sohn stand vom Tisch auf, ohne den Eintopf auch nur anzurühren. Der Junge tat so, als sei er von seiner Mutter beleidigt und gedemütigt worden. Das tat er nur jedes Mal, damit seine Mutter ihn eine Zeit lang nicht mit Fragen belästigte.

Er mochte es, zu Hause zu bleiben und nirgendwo zu arbeiten. Er war es so gewohnt zu leben! Er wollte nie arbeiten. Ihm war klar, dass er keine Führungsposition bekommen würde, aber er schrieb diesen beiden Unternehmen weiterhin mit einer gewissen Hartnäckigkeit, denn so konnte er zu Hause bleiben. Sarah beschloss, dass sie heute nicht einfach aufgeben würde.

– Ich werde niemals Waggons entladen oder an der Kasse sitzen. Ich werde nur einer Führungsposition zustimmen, oder ich werde überhaupt nirgendwo arbeiten! – Der Sohn konfrontierte seine Mutter mit dieser Tatsache.

Ist er nur frech oder macht er das mit Absicht? Natürlich mit Absicht, denn er weiß ganz genau, dass er nicht in der Lage ist, eine leitende Position zu bekleiden.

– Ich habe es satt, dich auf meinem Rücken herumzutragen. Du arbeitest nirgendwo, du willst nicht im Haushalt helfen! – sagte die Mutter zu ihrem Sohn. – Es ist mir eigentlich egal, wo du arbeitest, denn ich finde, jede Arbeit verdient Respekt, ich möchte nur, dass du wenigstens anfängst, etwas zu tun.

Nach diesen Worten hatte Sarah die Tür bereits zugeschlagen.

Nachdem sie sich mit ihrem Sohn gestritten hatte, ging sie in ihr Zimmer, setzte sich auf einen Stuhl und starrte an die Wand. Sie fühlte sich wie ein Vollidiot. Sie hielt sich für eine schlechte Mutter, die zu viel Druck auf ihren Sohn ausübte, und doch wusste sie, dass sie völlig recht hatte. Der Junge musste seine eigene Kraft finden und unabhängig werden. Verstand er das denn nicht?

 

 

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