Hast du dich überhaupt schon einmal im Spiegel gesehen? Diese Worte werde ich nie vergessen.

Als sie im neunten Monat schwanger war, rannte sie an einem frostigen Abend durch hohe Schneeverwehungen zum Einkaufen. Ihr betrunkener Mann wollte den Abschluss nachholen und befahl seiner Frau, Bier zu kaufen. Wie jede Frau träumte sie davon, dass er sich ändern würde und dass dies alles nur eine vorübergehende Notlage war. Und es fällt ihr (im neunten Monat schwanger!!!) nicht schwer, ihrem geliebten Mann zuliebe etwas zu tun. Ja, ja, so sind sie, die russischen Frauen – immer wollen sie die Männer retten, die besser allein verrotten sollten, als das Leben anderer mit ihrer Fäulnis anzustecken. Vierundzwanzig Stunden später wurde ich geboren. Ich sah ungewöhnlich aus – ich hatte einen merkwürdigen Bluterguss im Gesicht, in der Nähe des Auges und der Wange, und die Ärzte sagten, sie würden das beobachten – solange nichts Schlimmes passiert.

Ein Jahr später entschlossen sie sich zu einer Operation, weil der Bluterguss immer größer wurde und das ganze abgestorbene Gewebe entfernt werden musste. Wir wurden den Bluterguss los, aber die Narbe blieb riesig. In den neunziger Jahren gab es noch keine Technik zur Entfernung von Narben. Und die Hauptsache war, dass ich gesund blieb; mein Aussehen war nicht besonders wichtig.

Ich erinnere mich, dass ich mein ganzes Leben lang ständig wegen dieser Narbe gehänselt wurde. Sie beschimpften mich mit allen möglichen Namen, und manche Kinder schauten mich nur finster an. Wenn ich nach Hause kam, trösteten mich meine Mutter und mein Großvater immer und sagten, ich sei eben etwas Besonderes und solle nicht auf Dummköpfe hören. Und dann war da noch die Teenagerzeit, ich verliebte mich in einen Jungen – abends begleitete er mich nach Hause, trug meinen Rucksack.

Eines Tages haben wir uns mit ihm verabredet, aber er ist nicht gekommen. Später tauchte er mit einem Jungen auf, der sich an meine Freundin heranmachte. Ich fragte ihn, warum er nicht auftauchte.

-Hast du dich überhaupt im Spiegel gesehen, du Idiot?! Wie könnte ich jemanden wie dich lieben?! – Er lachte mir ins Gesicht, und ich weinte und lief nach Hause.

Zu Hause weinte ich weiter und lag auf dem Schoß meiner Mutter, während sie und mein Großvater mich beruhigten. Am nächsten Morgen kam unser Großvater, ein Nachbar, zu uns nach Hause und brachte uns Geld. Wie sich herausstellte, hatte er es für meine Operation zur Entfernung meiner Narbe zusammengelegt. So nett können Menschen sein!

Die Operation war erfolgreich. Jetzt bin ich fast vierzig, ich bin Kinderpsychologin. Ich habe meinen Traum verwirklicht – Kinder zu retten.

 

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